Warum man im Internet persönlich sein sollte – auch beim Verkaufen
15. November 2008 von Siegmar
Die meisten Webmaster sind sehr zurückhaltend, wenn es um private Angaben geht und die wenigsten haben ein Bild von sich auf der eigenen Webseite. Ich weiß nicht, warum das der Fall ist, aber ich denke, es ist ein Fehler.
Bei einem Blog, wo man vor allem mit Affiliateprogrammen oder Emailmarketing Geld verdient, kann man sehr anonym bleiben. Die meisten Affiliategrößen sind es anscheinend auch. Auch bei Verkäufern von Informationsprodukten sieht man sehr häufig eine halbherzige “Über uns”-Seite. Solche Webseiten wirken nicht nur sehr unpersönlich, sondern sie sind es auch.
Das wirkt sich nicht nur auf die Besucherzahlen, sondern auch auf die Verkäufe aus. Für mich besteht ein großer Teil von Marketing darin sich einen guten Ruf aufzubauen und den eigenen oder zumindest den Namen des Unternehmens in der Branche bekannt zu machen. Auch eine Webseite, die nichts verkauft und sich nur von Adsense “ernährt”, kann davon profitieren.
Bei Bloggern ist das nicht oft der Fall, weil die meisten eher mitteilungsfreudig und offen sind, aber es gibt viele Verkäufer, die es nicht sind. Besonders häufig sieht man es bei Verkäufern von Reseller-Ebooks, Abzockern (400€ am Tag mit Poker u.Ä.) und bei Emailmarketern (auch wenn es mir schwer fällt diese Typen so zu bezeichen). Nicht zufällig ist die Anonymität in den unseriösen Bereichen des Internets am größten.
Gerade bin ich bei einer kleinen Adwordsrecherche wieder auf Sales Pages mit Paraguay im Impressum gestoßen. Ich glaube, wir sollten die Kategorie “Die Paraguay-Connection” im Internet einführen. Mich wundert es wirklich, dass es so viele mit einem britischen (Ltd.) und einem paraguayischem Impressum sind. Natürlich deutet das allein nicht auf ein schwarzes Schaf, aber es scheint ein erster Hinweis zu sein.
Worauf ist hinaus will, ist: Es ist nicht schwer sich im Internet zu verstecken. Man kann Geld verdienen, ohne jemals seinen Names zu veröffentlichen. Der Geschäftführer eines kleinen Restaurants kann kein Impressum aus Paraguay erstellen, er muss sich Reklamationen und Anfragen persönlich stellen. Diese Sache fehlt im Internet und das merkt man.
Es ist sehr anonym online. Und den meisten gefällt das. Man bleibt vorsichtshalber im Hintergrund, was soviel heißt wie: man versteckt sich. Eine Webseite mit hübschen Bildchen und Texten ist schnell erstellt, dabei muss man nicht besonders ehrlich sein, wenn man es nicht will. Es ist kein Wunder, dass die Menschen immer skeptischer werden. Wenn man beim ersten Verkauf online betrogen wird, bleibt vor allem bei älteren Leuten ein sehr negativer Eindruck und sie lassen die Kreditkarte beim nächsten Mal lieber in der Brieftasche.
Die größte Herausforderung um online zu verkaufen besteht darin beim anderen Vertrauen zu erwecken. Doch Vertrauen wird nicht durch eine gute Verkaufsseite oder durch einen guten Adwordstext geschaffen, sondern es wird aufgebaut, indem man eine gute Beziehung zu Kunden, Lesern, Partnern und Abonnenten schafft.
Das geschieht nicht über Nacht; es bedarf langfristiger Anstrengung und viel Arbeit. Doch es lohnt sich, wenn man ein Geschäft im Internet aufbauen will und nicht nur schnelle Mäuse machen will, um nach Paraguay auszuwandern. Es gibt viele Leute, die im Internet Geld verdienen und sich schämen würden, wenn Ihre Mütter davon wüssten, was sie tun.
Aber das ist ihre Sache. Das Problem für uns ist, dass sie uns in die Suppe spucken und es für alle schwieriger machen online zu verkaufen. Deshalb müssen ehrliche Verkäufer mehr Geld, Zeit und Anstrengung darin investieren sich ein gutes Image aufzubauen und zu beweisen, dass sie nicht zur Paraguay-Connection gehören.
Ein sehr guter Weg um das zu erreichen ist persönlich zu sein. Dazu gehören nicht nur Bilder der Verantwortlichen und ein mehr als vollständiges Impressum (mit einer Nummer, unter der man auch jemanden erreicht), sondern auch andere Medien, wie Audiodateien, Videos und Interviews. Man muss natürlich nicht gleich seine Privatssphäre aufgeben und sein Liebesleben online veröffentlichen, aber ich finde das Mindeste ist sich vorzustellen und zu erklären wer verantwortlich für das Projekt ist.
Auch Erzählungen und Erlebnisse aus dem eigenen Leben schaden einem Webmaster und einem Verkäufer nicht, sondern sind hilfreich. Man baut sich kein Geschäft auf, indem man einem Menschen ein schlechtes Ebook andreht, sondern indem man langfristig denkt und gute Produkte verkauft.
Irgendwie kommt es mir vor als hätten die meisten Webmaster Angst sich ins Rampenlicht zu stellen bzw. auch nur ein Bild von sich auf der Startseite zu präsentieren. Welchen Sinn macht es sich zu verstecken, wenn man sich für sein Projekt nicht schämt? Wir kaufen nicht gerne von anonymen Unternehmen und noch anonymeren Webseiten, sondern viel lieber von wirklichen Personen.
Wir wollen kein Ebook aus dem und dem Online-Shop, sondern eines von Martin, dem früheren Bäcker, und Claudia, der dreifachen Mutter, die ihre besten Rezepte vorstellt. Es geht dabei nicht nur darum seine Glaubwürdigkeit zu steigern uns sich von der Paraguay-Connection abzusetzen, sondern auch um den Aufbau eines guten Rufs.
Ein ausgezeichneter Ruf besitzt einen Wert. Er ist Bestandteil jedes Unternehmens. Bei CocaCola und Siemens beträgt der Wert des Namens allein mehrere Milliarden, aber auch wir kleinen Webmaster, Blogger und Internet Marketer besitzen einen. Auch unser Ruf hat einen Wert, zumindest bei den meisten von uns. Durch einen guten Ruf kann man seine Verkäufe erhöhen und Kunden langfristig an sich binden.
Wir merken uns Personen und ihre Persönlichkeiten viel besser als abstrakte Produktnamen und Firmen. Natürlich erfordert es Mut mehr von sich preiszugeben als vom Gesetz gefordert wird, etwas Persönliches zu erzählen oder ein Bild aus dem Urlaub zu veröffentlichen, aber wenn man zu den Ehrlichen gehört, kann man dadurch nur gewinnen (solange es keine Nacktbilder sind…).
Man sollte jeden möglichen Weg nutzen um nicht nur sein Onlinegeschäft, sondern auch seinen Online-Namen und Online-Ruf weiter auszubauen und eine gute Beziehung zu seinen Lesern und Kunden zu schaffen. Allein der finanzielle Aspekt spricht für sich und die Internetnutzer werden in der Zukunft nicht weniger skeptisch sein als heute. Das Internet bietet doch gerade so gute Möglichkeiten um seiner Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen und es gibt kein vernünftiges Argument es nicht zu tun.
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Ganz schön lang geworden, dein Artikel. Aber gut zu lesen und ich stimme deiner Meinung auch zu.
Von der “Paraguay-Connection” (schönes Wort) laufen viele Webseiten im Netz herum. Wie du schon geschrieben hast “xxxx Euro” am Tag und vielen MLM-Programmen. Bei diesen Programmen möchte ich meinen Namen auch nicht im Impressum stehen haben, oder Du?
Bei gutem und ehrlichem Content sollte es keine Problem sein, auch näher auf sich einzugehen, gerade beim Bloggen.
Hallo, vielen Dank für die Informationen. Denke auch das die Persönlichkeit beim Produkt Verkauf im Internet eine wichtige Rolle spielt. Meine Dienstleistung verkaufe ich daher auch direkt unter der Domain mit meinem Namen. Bis jetzt habe ich damit sehr gute Erfahrungen machen können.
Hab mich auch gleich mal zu deinem Newsletter angemeldet.
Alle gute für die Zukunft…
Hallo, sehr interessanter Artikel! Bin eig. per Zufall auf diesen Blog gelangt und werde hier wohl öfter mal vorbeischauen…
zur Ltd. möchte ich sagen, dass diese Gesellschaftsform einen viel zu schlechten Ruf hat. Ich habe öfters mit Limiteds zu tun und habe bisher noch keine negativen Erfahrungen damit gemacht (auch im Ausland). Natürlich sollte man von Ltd.’s in Ländern wie “Paraguay” nichts kaufen und vernünftig bleiben. Ich denke aber, dass man einer Ltd. die in Deutschland ansässig ist durchaus Vertrauen schenken kann.
zum Artikel selbst: kann mich vermittelten Meinung nur anschließen. Immer wieder merke ich, dass persönlicheres Auftreten auch im Internet belohnt wird.
Lg. Mario
Ein wirklich guter Artikel und sehr interessant zu lesen. Ich denke auch, dass man seine eigene Identität preisgeben muss, um Vertrauen zu schaffen. Nur so wird man auf Dauer Kunden finden, da stimme ich dir zu. Vor allem wenn man auch bei Reklamationen erreichbar ist usw. denke ich, macht das einen super Eindruck auf die Kunden, gerade wenn sie in der Beziehung mehrfach schon enttäuscht worden. Mit dem Foto finde ich jetzt nicht ganz so wichtig, aber zumindest sollte das Impressum in Deutschland sein und eine korrekte Telefonnummer zu finden sein.
Hi,
in der Tat ein interessanter Artikel. Stimme allerdings auch dem CashFreak zu, dass man ab und an halt nicht daran interessiert ist, den eigenen Namen überall herzugeben.
In unserem Fall wird das Impressum demnächst auf unsere chinesische Adresse umgestellt. Wir leben aber auch dort und bloggen eigentlich nur über das Thema. Von dem her schafft das wohl, in unserem Fall, etwas mehr Authentizität als eine deutsche Adresse
Böse Gedanken haben wir hierbei allerdings nicht und, außer AdWords, was gerade down ist weil ich meine Telefonnummer noch nicht bestätigte und ein paar Affiliatesachen, die eh nix bringen, eh nichts auf dem Blog was zur Kostendeckung beiträgt!
Beste Grüße,
Sven
Ich finde diesen Punkt sehr wichtig. Gerade weil es im Internet sehr viele schwarze Schafe gibt baut die Preisgabe des Namens, möglichst noch mit einem Bild versehen vertrauen auf und der Kunde ist eher bereit etwas zu kaufen oder sich auf die Empfehlungen des Autors zu verlassen.
Ein sehr guter Artikel.
Sehr guter Artikel. Viele Menschen stehen den meisten Anbieter skeptisch gegen über. Deswegen ist es sehr wichtig seriösität den Leuten zu vermitteln. Dazu gehört auch ein richtige Adresse im Impressum und wenn es geht ein Bild.
@Michael: Vielen Dank für Dein Kommentar.
Nun, auch wenn es viele schwarze Schafe gibt, so sollten wir uns davon nicht beirren lassen. Lasst und gemeinsam ein solides und seriöses Geschäft aufbauen.
PS:
unter vielen schwarzen Schafen fallen weiße besser auf